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Infografik: Banned Comics

Einige Gründe, warum Bibliotheken in den USA bestimmte Comics verboten haben. Es ist schon interessant zu sehen, mit welcher Begründung einige Klassiker (u.a. “Maus”, “Persepolis”, “Fun Home”) aussortiert werden.

Banned Comic Books

by timleong.
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Tag 31: “Ex Machina” von Brian K. Vaughan / Tony Harris

exmachina1Tag 31(!) der Aktion „31 Days of Comics“ bei der jeden Tag ein Comic unter einem bestimmten Motto vorgestellt wird. Heute und zum letzten Mal: „A comic that you would feel bad for leaving off a list of comics” — „Ein Comic, das noch auf der Liste fehlt“ (heute mit leicht gekürzter Übersetzung).

Wieder eine sehr schwierige Frage, es fehlen eigentlich noch viele, viele Comics: Angefangen bei Klassikern, wie „Watchmen“ oder „Sin City“ bis zu persönlichen Lieblingen, wie „Essex County“ oder „DMZ“.  Da diese Blog-Challenge, aber auch ein bißchen als Comic-Lese-Tipp zu verstehen ist (jedenfalls einige Kategorien), habe ich mich für die Serie „Ex Machina“ von Brian K. Vaughan (Autor) und Tony Harris (Zeichner) entschieden.

Zu Beginn der Geschichte kommt Mitchell Hundred bei einem Unfall mit einem außerirdischen Artefakt in Berührung, wodurch er plötzlich mit Maschinen kommunizieren kann. Diese Kraft nutzt er für das Gute und wird zum weltweit ersten Superhelden „Great Machine“, Dank eines Raketenrucksacks kann er sogar fliegen. Am 11. September 2001, dem Tag der Terroranschläge auf New York, kann er ein Flugzeug aufhalten und verhindert dadurch die Zerstörung des Südturms des World Trade Centers. Nach dieser Tat gibt er allerdings sein Dasein als Superheld auf, geht in die Politik und wird Bürgermeister von New York. Von nun an sind politische Taten gefordert und die Themen, mit denen er konfrontiert wird, sind zahlreich: vom Streit mit Gewerkschaften über Rassismus bis hin zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Partner heiraten dürfen. Seine Zeit als Superheld holt ihn während seiner Amtszeit immer wieder ein und durch Rückblenden erfährt der Leser mehr über seine Zeit als Held „Great Machine“.

Das geniale an der Comicserie ist, dass es sehr unterschiedliche Dinge vereint: Zum einen ist es eine Science Fiction/Superhelden-Geschichte, zum anderen ist sie gespickt mit realen Geschehnissen aus Politik und Zeitgeschichte, von 9/11 bis zu politischen und gesellschaftlichen Problemen, die New York zu Anfang des Jahrtausend hatte. Das Comic stellt ein interessantes Stimmungsbild der Post-9/11-Ära in New York / Amerika dar. Zudem wird die Bedeutung und Bürde von Macht, sei sie politisch oder als Superheld, anhand des Charakters Mitchell Hundred sehr gut ausgeleuchtet.

Neben der vielschichtigen Story seien noch die sehr stimmungsvollen Zeichnungen von Tony Harris genannt. Durch seine detailliert gezeichneten Hintergründe erweckt er New York als Kulisse der Handlung zum Leben.

  • Brian K. Vaughan / Tony Harris “Ex Machina” // 2004 – 2010 // DC/Wildstorm
  • Alle Hefte der Serie sind als Sammelbände erschienen.
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Tag 30: “Jimmy Corrigan” von Chris Ware

jimmycorriganTag 30 der Aktion „31 Days of Comics“ bei der jeden Tag ein Comic unter einem bestimmten Motto vorgestellt wird. Heute: „A truly smart comic” — „Ein intelligentes Comic“.

Wenn ein Comic den Untertitel der „Der klügste Junge der Welt“ hat, dann muss es ein kluges Comic sein, oder? Im Falle von Chris Wares „Jimmy Corrigan“ kann man diese Frage nur bejahen. Gestern ging es an dieser Stelle noch um die Sprache der Comics und für das heutige Comic sollte man diese verstehen können. „Jimmy Corrigan“ ist kein leichtes Einsteigerwerk, wenn es um Comics und ihre (Bild)Sprache geht, aber Chris Ware erweist sich als Meister seiner Zunft und zeigt was in einem Comic für visuelle und narrative Möglichkeiten stecken.

Jimmy Corrigan lebt ein eintöniges Leben in Chicago, das tägliche Telefonat mit seiner Mutter ist Bestandteil und vielleicht der Höhepunkt seines tristen Alltags. Sein Vater hatte die Mutter gleich nach der Geburt verlassen, aber nun meldet er sich plötzlich und lädt Jimmy zu Thanksgiving ein. Er besucht seinen Vater, bleibt dort eine Weile, eine emotionale Bindung stellt sich aber nicht ein. Gleichzeitig lernt er noch seinen Großvater und seine schwarze Halbschwester kennen. In Rückblenden wird die Kindheit von Jimmys Großvater erzählt, der Ende des 19. Jahrhunderts in Chicago (die dortige Weltausstellung 1893 dient z.T. als Hintergrund) lebt und auch früh von seinem Vater verlassen wird.

Die Geschichte umfasst drei Generationen und ist komplex ineinander verwoben. Dabei wird aber nicht nur die Vater-Sohn-Beziehung zweier Generationen seziert, sondern es ergibt sich ein vielschichtiges Bild über den Wandel der Gesellschaft und das Ende des amerikanischen Traums.

Das geniale an diesem Comic ist seine graphische Gestaltung. Chris Ware Panelgestaltung verlangt an manchen Stellen viel vom Leser ab, was auf den ersten Blick überrascht, da die Seiten sehr streng formal aufgebaut sind und die Zeichnungen eine sehr klare Struktur besitzen. Da er aber innerhalb der Seiten manchmal die Ebene der Wirklichkeit verlässt und in Tagträume abgleitet ist ein sehr sorgsames lesen erforderlich. Auch die Unterbrechung durch Infografiken oder Bastelbögen verwirrt zunächst. Wer sich aber auf dieses visuelle Geflecht einlässt, der erlebt ein „truly smart comic“, welches einem die vielfältigen Möglichkeiten des Mediums Comic aufzeigt.

  • Chris Ware “Jimmy Corrigan – Der klügste Junge der Welt” (“Jimmy Corrigan, the Smartest Kid on Earth”) // 1995 – 2000 // Reprodukt bzw. Pantheon Books
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Tag 29: “Comics richtig lesen” von Scott McCloud

comicsrichiglesenTag 29 der Aktion „31 Days of Comics“ bei der jeden Tag ein Comic unter einem bestimmten Motto vorgestellt wird. Heute: „Comic that changed the way you see the world” — „Ein Comic, dass die Art und Weise verändert hat, wie du die Welt siehst“.

Ich glaube, dass kein Comic meine Weltsicht nachdrücklich verändert hat. Keine Comicreportage, keine Comic-Biographie, kein 08/15-Superheldencomic, aber ein Comic hat mit Sicherheit meine Sicht auf die Welt der Comics maßgeblich beeinflusst. Scott McClouds „Comics richtig lesen“ hat viele neue Welten für mich eröffnet, über die ich mir beim Lesen vorher gar keine oder nur wenige Gedanken gemacht habe, seien es Erzähltechniken oder Panel-Übergänge.

„Comics richtig lesen“ gilt heute als Standardwerk für Comictheorie. McCloud, der selbst als stilisierte Comicfigur durch das Buch führt,  beginnt in seinem Werk mit der historischen Entwicklung des Mediums, um eine allgemeingültige Definition zu erlangen. Dann wendet er sich den formalen Aspekten des Comics zu und ergründet die Sprache des Comics. Das Clevere an diesem Buch ist, dass die Theorie nicht in langen, komplizierten Sätzen verpackt ist, sondern selbst als Comic daherkommt. McClouds Überlegungen sind somit für den Leser sichtbar und leicht verständlich.

McCloud spaziert und doziert durch das Comic, nimmt den Leser bei Hand und gerät manchmal ins philosophische Grübeln, aber er bleibt dabei immer unterhaltsam. Nach der Lektüre wird man jedes andere Comic auf eine neue Art und Weise sehen/lesen und über das Zusammenspiel von Bildern, Panels, Sprechblasen und Text nachdenken.

  • Scott McCloud “Comics richtig lesen” (“Understanding Comics: The Invisible Art“) // 1993 // Carlsen
  • Scott McCloud: Homepage
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