“Hier” von Richard McGuire

hier_here_mcguireDas Comic, welches mich 2014 mit am meisten beeindruckt hat, ist mit Sicherheit „Hier“ („Here“) von Richard McGuire. Ursprünglich als Kurzgeschichte Ende der 1980er Jahre im Magazin „RAW“ veröffentlicht, erscheint nach 25 Jahren die Geschichte nun auf 300 Seiten erweitert als Graphic Novel. Das Comic ist ein formales Experiment, die Grundidee besteht darin, den Fokus auf einen einzigen Ort zu richten und im Laufe der Geschichte nicht(!) zu ändern. Selbst für den geübten Comicleser erstmal etwas ungewöhnlich. Nur die Zeitachse ändert sich ständig und springt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hin und her. Durch das Seitenlayout werden oft mehrere zeitliche Phasen parallel dargestellt. Dabei wird der Raum aber aus der immer gleichen Perspektive gezeigt. Dies alles macht „Hier“ zu einem sehr komplexen Leseerlebnis und zeigt gleichzeitig die einzigartigen Möglichkeiten des Mediums Comic.

Hier der Versuch das ursprüngliche Comic in das Medium Film zu übertragen.

Lesenswerter Artikel von Chris Ware (“Jimmy Corrigan”, “Building Stories”): Chris Ware on Here by Richard McGuire – a game-changing graphic novel (The Guardian)

“Best Comics 2014″: Ein Rückblick auf das Comic-Jahr

comic2014bestWir nähern uns mit großen Schritten dem Ende des Jahres und blicken auf 2014 mit all seinen Comic-Publikationen zurück. Genau wie im letzten Jahr, will ich wieder einige “Best of”-Listen und Geschenktipps, die meistens auch die besten/beliebtesten Comics & Graphic Novels des Jahres widerspiegeln, aus dem Netz sammeln.

Diese Liste wird in den nächsten Wochen regelmäßig aktualisiert:
Last Update 14.01.2015

// Best of 2014

Deutschland

International


// Geschenktipps

Tag 31: “Ex Machina” von Brian K. Vaughan / Tony Harris

exmachina1Tag 31(!) der Aktion „31 Days of Comics“ bei der jeden Tag ein Comic unter einem bestimmten Motto vorgestellt wird. Heute und zum letzten Mal: „A comic that you would feel bad for leaving off a list of comics” — „Ein Comic, das noch auf der Liste fehlt“ (heute mit leicht gekürzter Übersetzung).

Wieder eine sehr schwierige Frage, es fehlen eigentlich noch viele, viele Comics: Angefangen bei Klassikern, wie „Watchmen“ oder „Sin City“ bis zu persönlichen Lieblingen, wie „Essex County“ oder „DMZ“.  Da diese Blog-Challenge, aber auch ein bißchen als Comic-Lese-Tipp zu verstehen ist (jedenfalls einige Kategorien), habe ich mich für die Serie „Ex Machina“ von Brian K. Vaughan (Autor) und Tony Harris (Zeichner) entschieden.

Zu Beginn der Geschichte kommt Mitchell Hundred bei einem Unfall mit einem außerirdischen Artefakt in Berührung, wodurch er plötzlich mit Maschinen kommunizieren kann. Diese Kraft nutzt er für das Gute und wird zum weltweit ersten Superhelden „Great Machine“, Dank eines Raketenrucksacks kann er sogar fliegen. Am 11. September 2001, dem Tag der Terroranschläge auf New York, kann er ein Flugzeug aufhalten und verhindert dadurch die Zerstörung des Südturms des World Trade Centers. Nach dieser Tat gibt er allerdings sein Dasein als Superheld auf, geht in die Politik und wird Bürgermeister von New York. Von nun an sind politische Taten gefordert und die Themen, mit denen er konfrontiert wird, sind zahlreich: vom Streit mit Gewerkschaften über Rassismus bis hin zur Frage, ob gleichgeschlechtliche Partner heiraten dürfen. Seine Zeit als Superheld holt ihn während seiner Amtszeit immer wieder ein und durch Rückblenden erfährt der Leser mehr über seine Zeit als Held „Great Machine“.

Das geniale an der Comicserie ist, dass es sehr unterschiedliche Dinge vereint: Zum einen ist es eine Science Fiction/Superhelden-Geschichte, zum anderen ist sie gespickt mit realen Geschehnissen aus Politik und Zeitgeschichte, von 9/11 bis zu politischen und gesellschaftlichen Problemen, die New York zu Anfang des Jahrtausend hatte. Das Comic stellt ein interessantes Stimmungsbild der Post-9/11-Ära in New York / Amerika dar. Zudem wird die Bedeutung und Bürde von Macht, sei sie politisch oder als Superheld, anhand des Charakters Mitchell Hundred sehr gut ausgeleuchtet.

Neben der vielschichtigen Story seien noch die sehr stimmungsvollen Zeichnungen von Tony Harris genannt. Durch seine detailliert gezeichneten Hintergründe erweckt er New York als Kulisse der Handlung zum Leben.

  • Brian K. Vaughan / Tony Harris “Ex Machina” // 2004 – 2010 // DC/Wildstorm
  • Alle Hefte der Serie sind als Sammelbände erschienen.